Supply Chain Management

Der Begriff „Supply Chain": Seit Mitte der 1990er Jahre sind (fast über Nacht) die Begriffe „Supply Chain" und „Supply Chain Management" im Feld der Logistik und auch des allgemeinen Managements in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Das Wort „Supply Chain" - übersetzbar etwa als „Versorgungskette" - steht in enger sachlicher Nachbarschaft zu Begriffen wie Wertschöpfungskette (bzw. „Wertkette" und „Value Chain") und Logistikkette. Gemeint ist, wie weiter unten noch im Detail darzustellen, die Abfolge von Aktivitäten, die notwendig ist, um Kunden bzw. Märkte erfolgreich zu versorgen. Eine typische Supply Chain in der Konsumgüterwirtschaft - am Beispiel einer typischen LebensmittelSupply Chain umfaßt also die Versorgung des Lebensmittel-Herstellers durch (in diesem Fall in der Agrarwirtschaft zu findende) Rohprodukte- und andere Vormatenahen-Lieferanten, die Mittler/Großhändler, die die Rohprodukte bedarfsgerecht an die Hersteller liefern, die Produktion und Distribution durch die Hersteller- gegebenenfalls über Zwischenstufen des Großhandels, der Logistikdienstleistung oder Broker -‚ an den Einzelhandel, der schließlich die Versorgung des Endkonsumenten übernimmt. In der Praxis werden aber nicht nur die physischen Aktivitäten des Produzierens, Lagerns, des zeit- und mengengerechten Portionierens und Transportierens durch die genannten Akteure als Elemente der „Supply Chain" verstanden, sondern auch die begleitenden nicht-materiellen, in gegenläufiger Richtung verlaufenden Infonnationsflüsse, die die Supply Chain Aktivitäten auslösen und steuern, und schließlich die Geldströme, die zwischen den Akteuren fließen Wirtschaftsweite Supply Chains.

Der Begriff „Supply Chain Management": Supply Chain Management ist folglich die aktive Gestaltung und laufende Mobilisierung der Versorgungsketten in der Wirtschaft mit dem Ziel der Sicherung und Steigerung des Erfolges der beteiligten Unternehmen (-> Logistikmanagement).


Der Unterschied zum benachbarten Begriff Logistikkette kann darin gesehen werden, daß der Begrift,"Supply Chain" die Aufmerksamkeit nicht nur auf die Logistikaktivitäten im engeren Sinne (--> TUL-Aktivitäten) lenkt, sondern in ausgewogener Weise auch die Produktionsaktivitäten und die begleitenden -> Auftragsabwicklungs- und Geldflußprozesse berücksichtigen will. Der Unterschied zum Begriff der Wertschöpfungskette und -> Wertkette kann in der Betonung der Versorgungs und Verfügbarkeitsaspekte im Begriff „Supply Chain" gesehen werden (damit in besonderem Maße der Aspekte, die durch logistische Maßnahmen verändert werden können), während im Begriff der „Wertkette" die Herausforderungen und Chancen für Nutzen- bzw. Wertsteigerung besonders betont werden, die insbesondere auch Maßnahmen im Bereich des Produktdesigns und des Service erfordern.

Die Aktualität des Supply Chain Konzepts erklärt sich aus der weit verbreiteten Erwartung in der Praxis, daß professionelles Supply Chain Management zu Verbesserungen des Unternehmenserfolges durch verbesserte Befriedigung von Kundenbedürfnissen, durch sprunghafte Kostensenkung und auch durch verbesserte Anpassungsfähigkeit der Unternehmen an sich wandelnde Marktbedingungen fuhren kann - und zwar leichter und schneller, als durch andere Erfolgsstellhebel, die in vorangegangenen Phasen der Managementdiskussion als besonders vielversprechend galten, wie z. B. ingenieurtechnische Innovationen oder Kostensenkung durch Gemeinkostenwertanalyse. Die Aktualität und rasche Akzeptanz des Konzeptes in der Praxis läßt sich aber auch damit erklären, daß es eine Reihe schon länger diskutierter Ideen und Konzepte im Management in einer griffigen und augenscheinlich für die Praxis attraktiven Weise integriert: Seit Mitte der 1980er Jahre hatte sich, angeregt insbesondere durch die Schriften des amerikanischen Managementwissenschaftlers Michael Porter, die Idee durchgesetzt, daß die „ganzheitliche" Betrachtung und Optimierung der Ketten von Aktivitäten in Unternehmen (-+ Wertschöp.fungskette) zu besseren Ergebnissen führt als die isolierte Optimierung von betrieblichen Funktionen wie der Eingangslogistik, der Operations- oder der Distributionslogistik Zusammen mit älteren, in organisationstheoretischen Arbeiten schon in den 1950er Jahren, und noch früheren Arbeiten der Organisationslehre schließlich auch der Beispiele führender japanischer Unternehmen, vollzog sich ein „Durchbruch" des Denkens im Management zu einer neuen ,prozessorientierten" Sicht von Unternehmen. Unternehmen werden aus dieser Sicht nicht mehr in erster Linie als Pyramiden von funktionalen „Kästchen", nicht als „Maschinen", in denen Produktionsfaktoren zu neuen Produkten verarbeitet werden, auch nicht als „lebende Organismen" oder „Kulturen" gesehen, sondern als vielschichtige Geflechte von Flüssen und Prozessen. 

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